
Bild: Richard Nowell / CC BY-SA 4.0 (Wikimedia Commons)
Kurz zusammengefasst: Die IT-Sicherheitslage in Deutschland bleibt laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) angespannt. Die Angriffsflächen wachsen, weil immer mehr digitalisiert wird, und staatlich gesteuerte Angriffe nehmen zu. Die Zahl der angezeigten Ransomware-Angriffe lag laut BKA bei rund 950. Gleichzeitig kennen immer weniger Verbraucher wichtige Schutzmaßnahmen. Hier bekommst du den Überblick über die Lage und unsere aktuellen Ratgeber zu Passkeys, VPN, Antivirus, Phishing und Privatsphäre.
Die Lage laut BSI
Das BSI veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland. Der aktuelle Lagebericht 2025 umfasst den Zeitraum vom 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025. Das BSI bewertet die Lage in fünf Bereichen:
| Bereich | Ergebnis laut BSI |
|---|---|
| Bedrohungen | Stabilisierung auf hohem Niveau, zwei früher sehr aktive Angreifergruppen haben fast aufgehört |
| Angriffsfläche | Wächst durch die Digitalisierung, vor allem im Web |
| Gefährdungslage | Mehr ausgenutzte Schwachstellen und Datenleaks, rund 950 angezeigte Ransomware-Angriffe |
| Schadwirkungen | Mehr Datenleaks und höhere Lösegelder pro Fall |
| Resilienz | Schutzmaßnahmen sind vorhanden, werden aber weniger bekannt und genutzt |
Angaben laut BSI-Lagebericht 2025.
Die Stabilisierung bei den Bedrohungen führt das BSI auf internationale Ermittlungen gegen Cyberkriminelle zurück. Gleichzeitig nehmen sogenannte APT-Angriffe im Zusammenhang mit geopolitischen Konflikten zu. Das sind gezielte, oft lange vorbereitete Angriffe, meist durch staatlich unterstützte Gruppen.
Besonders bedenklich ist der letzte Punkt: Laut BSI ist im zweiten Jahr in Folge gesunken, wie gut Verbraucher Schutzmaßnahmen kennen und wie oft sie diese anwenden. Die gute Nachricht: Die meisten Angriffe lassen sich mit einfachen Schritten deutlich erschweren.
Neben dem Jahresbericht veröffentlicht das BSI auch Monatsberichte zur Lage. Sie nutzen dieselben fünf Bereiche und zeigen kurzfristige Entwicklungen.
Was das für dich bedeutet
Für dich als Privatperson heißt das: Die Zahl der Angriffe sinkt nicht, und Kriminelle arbeiten immer professioneller. Gefälschte Mails sind oft kaum noch vom Original zu unterscheiden. Gleichzeitig werden viele Angriffe erst durch alte Software, schwache Passwörter oder fehlende Backups erfolgreich. Genau hier kannst du selbst am meisten tun.
Unsere aktuellen Ratgeber
Passwörter und Passkeys
Passkeys ersetzen das Passwort und schützen gut vor Phishing. Laut FIDO Alliance sind schon rund 7 Milliarden im Einsatz. 1Password bringt erste Passkeys, die auch gegen Quantencomputer sicher sein sollen. Alles dazu im Artikel zu Passkeys 2026.
Phishing
Gefälschte Mails im Namen von Banken, Amazon oder ELSTER kursieren ständig. Die Maschen arbeiten mit Zeitdruck und angedrohten Sperren. Welche Mails gerade unterwegs sind, zeigt unser Phishing-Überblick für Oktober 2026.
Antivirus
Für die meisten Windows-Nutzer reicht der eingebaute Microsoft Defender, wenn Updates aktuell sind. Wer mehr Funktionen will, findet im Antivirus-Test 2026 die Ergebnisse der Prüflabore.
VPN
Ein VPN verschlüsselt deine Verbindung, etwa im öffentlichen WLAN. Proton VPN plant für Herbst und Winter neue Apps, einen besseren Kill Switch und eine Pause-Funktion. Mehr dazu im Artikel zur Proton-VPN-Roadmap.
Privatsphäre
In der EU wird weiter über die sogenannte Chatkontrolle verhandelt. Was der aktuelle Stand für deine privaten Nachrichten bedeutet, erklären wir im Artikel zur Chatkontrolle 2026.
Die wichtigsten Schutzmaßnahmen
Diese Schritte empfehlen wir auf Basis der BSI-Hinweise für den Alltag:
- Updates sofort installieren: Betriebssystem, Browser und Apps. Viele Angriffe nutzen bekannte Schwachstellen aus. Aktuell ist zum Beispiel der Windows-Patchday im Oktober.
- Passkeys oder starke Passwörter nutzen: Für jedes Konto ein eigenes Passwort, am besten aus einem Passwort-Manager.
- Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten: Vor allem bei E-Mail, Banking und sozialen Netzwerken.
- Bei Mails misstrauisch bleiben: Keine Links in unerwarteten Mails anklicken.
- Backups machen: Sichere wichtige Daten regelmäßig auf einem externen Speicher, der nicht ständig angeschlossen ist. Das schützt auch vor Ransomware.
- Virenschutz aktiv lassen: Der Defender oder ein anderes Schutzprogramm sollte immer laufen.
- Router und Smart-Home-Geräte pflegen: Ändere Standardpasswörter und installiere Firmware-Updates.
Ransomware: Warum Backups so wichtig sind
Laut BSI erzielen Angreifer die größten Schäden weiterhin mit Ransomware, oft kombiniert mit dem Diebstahl von Daten. Dabei verschlüsselt eine Schadsoftware deine Dateien und die Täter verlangen Geld für die Freigabe. Zusätzlich drohen sie damit, gestohlene Daten zu veröffentlichen.
Für Privatleute ist der wichtigste Schutz ein aktuelles Backup. Speichere deine Fotos, Dokumente und andere wichtige Dateien regelmäßig auf einer externen Festplatte oder in einem Cloud-Speicher mit Versionsverlauf. Trenne die externe Festplatte nach der Sicherung wieder vom Computer. Sonst kann eine Ransomware auch das Backup verschlüsseln. Unter Windows hilft außerdem der überwachte Ordnerzugriff im Defender, wichtige Ordner vor unbekannten Programmen zu schützen.
Was tun im Ernstfall?
Wenn du glaubst, dass ein Konto gehackt wurde oder du auf eine Phishing-Seite hereingefallen bist, solltest du schnell handeln:
- Passwort sofort ändern und, wenn möglich, alle angemeldeten Geräte abmelden.
- Bank informieren, wenn du Bank- oder Kartendaten eingegeben hast. Lass Karte oder Zugang sperren.
- Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten, falls sie noch nicht aktiv war.
- Gerät prüfen mit einem vollständigen Virenscan.
- Anzeige erstatten: Bei Betrug kannst du dich an die Polizei wenden. Viele Bundesländer bieten dafür eine Online-Wache an.
Je schneller du reagierst, desto geringer ist meist der Schaden.
Für wen ist was wichtig?
- Für Einsteiger: Starte mit Updates, Passkeys für die wichtigsten Konten und einem Backup.
- Für Online-Banking-Nutzer: Lerne die typischen Phishing-Maschen kennen und prüfe Nachrichten nur in der Banking-App.
- Für Vielreisende: Ein VPN schützt im öffentlichen WLAN.
- Für Familien: Sprich mit Kindern und älteren Angehörigen über Betrugsmaschen.
Alle Artikel zum Thema findest du in der Kategorie Sicherheit.
Begriffe kurz erklärt
- BSI: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, die Cybersicherheitsbehörde des Bundes.
- Ransomware: Schadsoftware, die Daten verschlüsselt und Lösegeld fordert.
- APT: Advanced Persistent Threat, ein gezielter und lang andauernder Angriff.
- Datenleak: Wenn vertrauliche Daten unbefugt veröffentlicht werden.
- Resilienz: Die Fähigkeit, Angriffe abzuwehren und sich davon zu erholen.
- Zwei-Faktor-Anmeldung: Neben dem Passwort brauchst du einen zweiten Nachweis.










